Alexander Borowiec 24.12.1912 - 30.05.1941
Der in Starosice geborene Pole, Alexander Borowiec 24.12.1912 - 30.05.1941, wurde 1940 zur Zwangsarbeit auf dem Ruess-Hof in Oberteuringen/Bibruck verschleppt. Dort hatte traf er die Deutsche Josefine O., die im Nachbarhaus wohnte und ebenfalls auf dem Ruess-Hof arbeitete. Die beiden freundeten sich an (Die Aussagen aus den Ermittlungsakten triften nun auseinander). Der Wachmann, der Borowiec täglich kontrollieren mußte und ihn abends wieder zurück in die Zwangsarbeiterunterkunft bringen mußte, berichtet von gemeinschaftlichen Kartenabenden im Hause Josefine O.'s. Der Zeuge H. aus dem Nachbarhaus (der vermutlich denunzierte) berichtet von ausgelassenen Abenden und unterstellt auch ein Verhältnis Josefine O.'s auch zum Wachmann.
Bei den Verhören 1940 gibt A.Borowiec zu mit Josefine O. Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Bei den Verhören Josefine O.'s im Jahr 1940 berichtet sie sexuell genötigt worden zu sein (Vermutlich handelt sich diese Darstellung um eine Schutzbehauptung, da sie hoffte um eine Bestrafung herum zu kommen).
Borowiec wurde bis zu seiner Hinrichtung in Stuttgart inhaftiert und eigens für eine publikumswirksame Hinrichtung nach Oberteuringen gekarrt, dort vor ca. 40 polnischen Zwangsarbeitern im Allgäer Wäldle (siehe Bild) erhängt und seine Leiche nach Tübingen in die Gerichtsmedizin verbracht.
Gedenken:
Leider wurden seitens der Gemeinde Oberteuringen bis heute weder Gedenktafel, Straßennamen, Chronikeinträge oder ähnliches zum Gedenken an die Ermordung A.Borowiec vorgenommen.
Die Leiche Borowiec liegt im Gräberfeld Tübingens (link zur Gräberfeldliste)
Bild: Alexander Borowiecs letzter Blick
Josefine O.
Die junge Josefine O. (geb. E.) wurde 19.03.1913 in Reute /Ravensburg geboren und heiratete am 25.Mai 1935 den Hilfsarbeiter Anton O. aus Kümmerazhofen. Das Ehepaar verzog 1940 nach Bibruck. Der Ehemann erwies sich als Trinker und Kartenspieler, der an den Wochenenden (Zahltagen) nicht mehr nach Hause kam und Josefine und die 2 kleinen Kinder sich selbst überließ.
Josefine O. schlug sich als Haushaltshilfe im Nachbarhof der Fam.Ruess durch und lernte dort den netten und fleißigen Zwangsarbeiter A.Borowiec kennen (Aussage Fam.Ruess in Vernehmung 1959). Borowiec kommt fortan gelegentlich zum Kartenspiel wie zum Radiohören in den Haushalt O.'s. Ferner gesellt sich auch manchmal der Wachmann, der Borowiec kontrollieren soll, hinzu.
Der Zeuge Hoher aus dem Nachbarhaus dichtet Josefine O. 1959 ein Verhältnis zum Wachmann an (Vermutlich wurde hier bei den Vernehmungen 1959 der Versuch unternommen den Zusammenhang zur Ermordung Borowiec zu einem Verhältnis zu Josefine O. wie auch der offenen und ungeklärten Frage nach dem Denunziant zu verschleiern).
KZ Ravensbrück
Josefine O. wurde im August 1940 festgenommen und in Oberteuringen von Bürgermeister und Orstpolizist mißhandelt und vernommen. Sie saß nach einer Haft bei der GESTAPO Friedrichshafen nach ihrer Verurteilung ins 4 Monate in Haft in Tettnang, um danach ins KZ Ravensbrück gesperrt zu werden. Dort lernte sie 2 weitere Frauen mit dem gleichen Schicksal aus Meckenbeuren kennen. Erst als ihr schwer lungenkranker Mann pflegebedürftig wurde , entließ man sie aus 1943 aus dem KZ. 1943 verzog sie erst nach Berg/Ailingen und dann wieder nach Kümmerazhofen.
Die Aussage Josefine O's weist starke Ungenauigkeiten und Verwechslungen auf, die nicht den geschichtlichen Tatsachen entsprechen können. So behauptet sie mehrfach statt im KZ Ravensbrück im KZ Ausschitz gewesen zu sein.
Bild: Alexander Borowiecs letzter Blick
Theresia (Resi) B. geb.F.
Die junge Resi F. wurde 22.05.1922 Knellesberg geboren. Der Zwangsarbeiter Jozef Musial arbeitete auf dem Hof ihrer Eltern und wurde gut behandelt, wie Resi bei ihrer Vernehmung 1959 angibt. Der Nachbarschaft war wohl aufgefallen, dass die Familie F. den Zwangsarbeiter gut behandelte und Resi F. ihm gelegentlich Zigaretten zuschob.
Im Mai 1940 wurde Resi F. in Meckenbeuren verhaftet und durch Meckenbeurens Bürgermeister Sporer und Landjäger Gaupp verhaftet, die auch Musial verhafteten und beim Verhör schlugen.
Resi F. wurde in Friedrichshafen bei der GESTAOP inhaftiert und anschließend im KZ Ravensbrück inhaftiert.
Polendirne
Resi B. war eine der Frauen, die im 06.Juni 1941 von Bürgermeister Sporer und Gaupp persönlich an Kälberstricken gefesselt von Obermeckenbeuren nach Meckenbeuren an den Bahnhof getrieben wurde. Dort wurden ihr vom Frisör Stibli die Haare kahlgeschoren. Ihr wurden aus 2 Buschel Haare und Pech 2 Hörner auf dem Kopf aufgedreht und ein Schild mit der Auschrift 'Polendirne' und einer aufgemalten Sau umgehängt. Sie wurde dann am Freitagabend im Hauptarbeiterrückverkehr durch die Bevölkerung mit Fußtritten zurück nach Brochenzell getrieben ... am gleichen Tag, als Jozef Musial erhängt wurde.
Bild: vermutlich Resi W.'s Martyrium durch Meckenbeuren
Jozef Musial 12.12.1914 - 06.06.1941
Der junge Zwangsarbeiter Jozef Musial wurde am 06.Juni 1941 in Meckenbeuren/Liebenau erhängt und seine Leiche nach Tübingen vebracht.
Die Zeugenaussagen triften hier auseinander. Die als verlässlich einzuschätzende Zeugenaussage einer der Hauptorganisatoren, dem Bürgermeister Walter/Oberteuringen, zur Folge sind die Exekutionen Alexander Borowiec und Jozef Musial am gleichen Tag von der gleichen Mannschaft organisiert und vollstreckt worden. Die Zeugen/Täteraussage Recks wonach Jozef Musial am gleichen Tage als Resi W. durch Meckenbeuren getrieben wurde machen Recks Aussage am wahrscheinlichsten.
Bild: Jozef Musial letzter Blick in Madenreute
Berta S. geb.W.
Berta S. , geb. 16.03.1920 in Brochenzell . Berta arbeitete 1940 in Obermeckenbeuren auf dem Hof Weishaupt. Dort lernte sie den Zwangsarbeiter Gregor Lisowski kennen. Berta war bis zum 6.März 1945 im KZ Ravensbrück weggesperrt.
Widerstand
Nur einer erhob 1941 seine Stimme. Franz Ehrat: 'Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein' (link zum Bericht)
Bild: Auf der Verladerampe Bahnhof Meckenbeuren/Holzindustrie
Gregor Lisowski 12.12.1914
Der Zwangsarbeiter Gregor Lisowski arbeitete ebenfalls auf dem Hof Weishaupt in Oberteuringen und lernte 1940 die junge Berta W. bei der Kirschenernte kennen. Lisowski wurde nicht hingerichtet, sondern ins KZ Dachau verschleppt. Lisowski überlebte und verstarb in Polen.
Anna Joos. geb.Fridrich.
Anna Joos. geb.Fridrich aus Heiligenberg wurde 1940 ebenfalls inhaftiert und ins KZ Ravensbrück gesteckt. Ihr Verhältnis zum Zwangsarbeiter Mieczyslaw Gawlowski 27.07.1941 in Ruschweiler. Anna wurde erst verurteilt, ins Zuchthaus und anschließend ins KZ Ravensbrück gesteckt. (link)
Mieczyslaw Gawlowski 27.07.1941
Mieczyslaw Gawlowski ( Mirtek Grabowski ) wurde am 27.07.1941 am nord-westlichen Ortsrand Ruschweilers an einem Obstbaum wegen seiner Liebesbeziehung zu Anna Fridrich erhängt Zum Gedenken an diesen Mord wurde in Ruschweiler 2005 ein Gedenkstein errichtet (link)
Paula M. geb.L.
Paula L. aus Langenargen/Hof M. wurde ebenfalls Opfer des rassenideologischen Hasses. Wegen einer Beziehung zu einem namentlich Unbekannten polnischen Zwangsarbeiter der auf dem gleichen Hof arbeitete wurde Paula ebenfalls verhaftet und nach Ravenbrück verschleppt.
No Name
Der polnische Zwangsarbeiter N.N. wurde im Frühsommer 1941 östlich von Langenargen erhängt. In der Ermittlungsakte taucht der Vorgang durch Erzählungen im KZ Ravensbrück öfters auf.
Gedenken:
Auch in Langenargen sind bis heute weder Gedenktafel, Straßennamen, Chronikeinträge oder ähnliches zum Gedenken an die Ermordung des Zwangsarbeiters vorgenommen.