CHRONOLOGIE DER MORDSERIE NACH AKTENLAGE
Alexander Borowiec letzter Blick
Am 30.Mai 1941 wurde der polnische Zwangsarbeiter A.Borowiec im Allgäuer Wäldle 600mtr. süd-östlich von Oberteuringen auf Anordnung F.Mußgays erhängt.
Die von Reichssicherheitshauptmann H.Himmler Polen-Erlasse verbaten jegliche privaten Kontakte zwischen Polen und Deutschen.
Die Liebesbeziehung vom A.Boroviec und Josefine O. aus Bibruck wurde den beiden zum Verhängnis , das für Borowiec am Galgen und für Josefine O. im KZ Ravensbrück endete.
Tathergang:
Polenerlasse:
Während des 2ten Weltkrieges wurden ca. 3 Millionen Menschen aus Polen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und mußten in Industrie und Landwirtschaft unter schlechtesten Bedingungen arbeiten.
Die polnischen Zwangsarbeiter durften den zugewiesenen Wohnort nicht verlassen, keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, es galten für sie abendliche Ausgangsverbote. In manchen Orten durften sie sogar bestimmte Straßen nicht betreten. Der Besuch von Kirchen, Gaststätten, Kinos, Theatern und kulturellen Veranstaltungen war ihnen verwehrt. Sie bekamen weniger Verpflegung als Deutsche und andere Ausländer. Von ihrem geringen Lohn wurde eine Sondersteuer abgezogen. (Quelle: Bundesarchiv)
Bibruck und Madenreute:
So auch der Zwangsarbeiter Alexander Borowiec beim Bauern Ruess in Bibruck bei Oberteuringen, Mieczyslaw Gawlowski in Ruschweiler und Gregor Lisowskie in Madenreute. (Quelle:DKS-NSDoku..)
Verhaftung Borowiec:
Im August 1940 wurden Alexander Borowiec und Josefine O. aus Bibruck vom Ortspolizisten Theodor Heilborn und dem Oberteuringer Bürgermeister Walter verhaftet. Dem Zwangsarbeiter wurde vorgeworfen mit Josefine O. eine Liebesbeziehung gehabt zu haben. Josefine wurden ebenso verhaftet. Laut Vernehmungsprotokollen blieb sie in Oberteuringen tagelang in Haft und wurde von Bürgermeister wie auch von Heilborn mißhandelt. (Quelle: Akte)
Josefine O.:
Josefine O. verzog mit ihrem Mann und den beiden Kindern 1940 von Kümmerazhofen nach Bibruck. Ihr Mann war ein leidenschaftlicher Kartenspieler, der als Hilfsarbeiter in der Zahnradfabrik Friedrichshafen arbeitete und am Zahltag und den Wochenenden nicht mehr nach Hause kam und seine Familie sich selbst überließ.
Die vernachlässigte Mutter schlu sich auf dem Nachbarshof als Haushaltshilfe durch, um mit Lebensmitteln versorgt zu sein. Bei dieser Arbeit lernte sie den fleißigen Alex (wie sie ihn beim Verhör 1959 benannte) kenen.
Vermutlich durch eine Anzeige aus dem Nachbarhause, da Josefine O. im Parterre wohnte, wurde die junge Mutter zweier Kinder verhaftet.
Sie sagte aus, dass sie vom Arbeiter Alexander Borowiec zur sexuellen Handlung genötigt worden wäre und er wegen ihrer Regel von ihr abgelassen hätte. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Schutzbehauptung, um der Starfe zu entgehen. Borowiec selbst gab ihm Verhör das Verhältnis zu.
Josefine O. wurde nach ihrer Haft ins KZ Ravensbrück verbracht. Sie gibt im Verhör 1959 auch zu Protokoll auch im KZ Auschwitz gewesen zu sein.
Erst als ihr schwer lungenkranker Mann 1943 pflegebedürftig wurde, wurde sie entlassen.
Nach dem Tod des Mannes zog sie wieder zurück nach Kümmerazhofen, wo sie mit ihren Kindern ihm Haus ihrer Tante wohnte und das sie dann auch erbte.
Erhängung:
Borowiec wurde am 30.Mai 1941 eigens zur Hinrichtung vom Gefängnis in Stuttgart nach Oberteuringen verbracht und mittels eines zerlegbaren Galgens, den Friedrich Mußgay hatte (Quelle:Wikipedia Friedrich Mußgay) um 14:35 im Algäuer Wäldle bei Oberteuringen erhängt.
Die Exekution fand auf Erlaß Mußgays ohne Gerichtsurteil statt. Ihr mußte alle Zwangsarbeiter des Ortes beiwohnen. Ihnen wurde eine Erklärung zur Warnung verlesen und sie mußten danach am Toten vorbei exerzieren. Die Leiche Borowiec wurde anschließend in die Gerichtsmedizin Tübingen verfrachtet und liegt heute ihm Gräberfeld X Tübingen.
Eine brozene Gedenktafel widmte sich heute um die vielen ermordeten Zwangsarbeiter, die diesem Gräberfeld liegen. (Quelle:Gräberfeld X)